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Zofingen
Zofingen (franz. Zofingue) ist eine Stadt und der Hauptort des gleichnamigen Bezirks im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im äussersten Südwesten des Kantons im Wiggertal, an der Grenze zum Kanton Luzern, und bildet den südlichen Schwerpunkt eines Ballungsgebietes, das sich über Oftringen und Aarburg und bis nach Olten und Trimbach im Kanton Solothurn erstreckt. Die Stadt liegt nahe dem Kreuzungspunkt der wichtigsten Nord-Süd- und West-Ost-Verkehrswege der Schweiz. Mit etwas mehr als 10'000 Einwohnern ist Zofingen die siebtgrösste Gemeinde des Kantons. Das benachbarte Mühlethal wurde am 1. Januar 2002 eingemeindet.
Geographie
Die mittelalterliche Altstadt liegt am Rand des Wiggertals. Östlich davon erheben sich vier durch kleine Täler getrennte Hügel. Von Nord nach Süd sind dies der Bärenhubel, der Finkenherd, der Heitern und das Bergli. Diese vorspringenden Hügel sind Teile eines lang gestreckten, breiten und stark gegliederten Hügelzugs, der das Wiggertal vom angrenzenden Uerkental trennt. Zwei Täler reichen weit nach Osten in den Hügelzug hinein, das über einen Kilometer lange Riedtal an der luzernischen Kantonsgrenze, sowie das knapp drei Kilometer lange Mühletal an der nördlichen Gemeindegrenze. In letzterem liegt das ehemals eigenständige Dorf Mühlethal. Die östlichen zwei Drittel des Gemeindegebiets sind (mit einigen Ausnahmen) fast vollständig mit Wald bedeckt.
Wald
Westlich der Altstadt erstreckt sich eine flache, bis zu zwei Kilometer breite Ebene. Entlang der Bahnlinie verläuft der Altachenbach. Dieser fliesst in einem durchschnittlichen Abstand von 600 Metern parallel zur Wigger, die auch die westliche Stadtgrenze ist. Das Gebiet westlich der Altstadt ist dicht besiedelt und weist im nördlichen Teil eine ausgedehnte Industriezone auf. Das überbaute Gebiet ist mit demjenigen von Oftringen und Strengelbach zusammengewachsen, wobei das Oftringer Gemeindegebiet bis etwa zweihundert Meter an den nördlichen Rand der Altstadt heranreicht.
Die Fläche des Stadtgebiets beträgt 1107 Hektar, davon sind 480 Hektar bewaldet und 316 Hektar überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf dem 661 Meter hohen Rottannhubel an der östlichen Stadtgrenze, die tiefste Stelle liegt auf 421 Metern an der Wigger.
Nachbargemeinden sind Oftringen im Norden, Safenwil im Nordosten, Uerkheim und Bottenwil im Osten, das luzernische Wikon im Süden, Brittnau im Südwesten sowie Strengelbach im Westen.
Geschichte
Vor der Stadtgründung
Die ältesten Siedlungsspuren stammen aus der Jungsteinzeit, wie einzelne Funde von Faustkeilen und anderen Steinwerkzeugen beweisen. Im 3. Jahrhundert v. Chr. siedelten sich die Helvetier an und gründeten ein Dorf, das sich bald zu einer Priestersiedlung entwickelte. Es war wahrscheinlich eines jener 400 helvetischen Dörfer, die Julius Cäsar in De bello gallico erwähnte.
1826 fand man am Südwesthang des Heiternhügels die Überreste eines römischen Gutshofes. Er war im späten 1. Jahrhundert n. Chr. entstanden und diente zur Lebensmittelversorgung des Legionslagers in Vindonissa. Das Herrenhaus erreichte nach zahlreichen Erweiterungen eine Länge von 120 Metern; der Zofinger Gutshof ist somit der grösste, der bis jetzt auf dem Gebiet des Kantons Aargau entdeckt worden ist. Im Jahr 259 durchbrachen die Alemannen den Obergermanisch-Rätischen Limes und zogen plündernd und mordend durch das Mittelland. Die römischen Truppen mussten sich über die Alpen zurückziehen und konnten die Invasoren erst im Jahr 270 wieder zurückdrängen. Etwa um diese Zeit wurde auch der Gutshof aufgegeben. Zwischen 401 und 406 zogen sich die Römer endgültig über die Alpen zurück.
Ein paar Jahrzehnte später begannen die Alemannen mit der Besiedlung des fast völlig entvölkerten Mittellands. Die Wortendung "-ingen" lässt darauf schliessen, dass die Siedlung Zofingen während der ersten Besiedlungsphase etwa um 500 herum entstand. Der Ortsname leitet sich vom alemannischen Begriff für "bei den Leuten des Zobo" ab. Die Siedlung wurde bald zum religiösen Zentrum der Region und um 600 entstand die erste Pfarrkirche. Bei Grabungen in den Jahren 1979 und 1980 stiess man auf zwei Steinkistengräber alemannischer Adeliger mit goldenen Beigaben aus dem 7. Jahrhundert.
Frohburger und Habsburger
7. Jahrhundert
Ein befestigter Hof neben der Kirche gilt als erster Stammsitz der Grafen von Frohburg. Diese zogen im 10. Jahrhundert in die repräsentative Frohburg bei Trimbach um und wandelten die Kirche Ende des 12. Jahrhunderts in ein dem Hl. Mauritius geweihtes Chorherrenstift um. Darum herum entwickelte sich ein mit Mauern und Gräben geschütztes Markt- und Verwaltungszentrum am Handelsweg von Basel nach Luzern.
Die erste urkundliche Erwähnung des Chorherrenstifts und Zofingens erfolgte im Jahr 1201. Wann genau das Stadtrecht verliehen worden war, ist nicht bekannt. Bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann man in Zofingen mit der Prägung eigener Münzen, die sich in der heutigen Nordwestschweiz grosser Beliebtheit erfreuten. Um 1250 begann der Niedergang der Frohburger, die sich in drei Linien aufgeteilt hatten. Sie mussten im Jahr 1274 fast ihren gesamten Besitz an König Rudolf I. verkaufen. Im September 1299 erwarben die Habsburger dann auch Zofingen, die eigentliche Heimat der Frohburger. 1348 forderte die Pest in Zofingen viele Opfer. Die Juden, die man für die Verbreitung der Epidemie verantwortlich machte, wurden aus der Stadt vertrieben.
Bereits unter den Frohburgern war die Stadt vom Amt Aarburg abgetrennt worden und bildete einen eigenen Gerichtsbezirk mit niederer und hoher Gerichtsbarkeit. Unter der Herrschaft der Habsburger erlangten die Zofinger vor allem in wirtschaftlichen Bereichen immer mehr Autonomie; auch ihre Amtspersonen durften sie selbst wählen. Ende Januar 1361 fand in Zofingen ein Lehenstag statt. Sämtliche Inhaber eines Lehens in den Vorlanden mussten persönlich in der Stadt erscheinen und ihre Lehen bestätigen lassen; dies waren mehr als 900 Personen aus dem Elsass, aus Süddeutschland, dem Thurgau und dem Aargau. Beim Einfall der Gugler im Jahr 1375 kam Zofingen im Vergleich zu den Regionen weiter westlich relativ glimpflich davon.
Als die Spannungen zwischen Luzern und den Habsburgern immer mehr zunahmen, hielt Zofingen treu zu den Habsburgern und kämpfte am 9. Juli 1386 in der Schlacht bei Sempach an deren Seite. Zwölf Zofinger fielen, darunter Niklaus Thut. Der Alt-Schultheiss soll kurz vor seinem Tod das Zofinger Banner verschluckt und so vor dem Zugriff der Eidgenossen bewahrt haben. Diese Legende entstand im 16. Jahrhundert, seither wird Niklaus Thut als Stadtheld verehrt. 1388 belagerten die Berner die Stadt, konnten sie aber nicht einnehmen. Erst sechs Jahre später wurde ein Friedensvertrag zwischen Habsburg und den Eidgenossen unterzeichnet. 1393 wütete ein Brand in der Unterstadt, 1396 legte ein weiterer Brand fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche.
Herrschaft der Berner
1396
Der habsburgische Herzog Friedrich IV. fiel 1415 beim Konzil von Konstanz in Ungnade, nachdem er den Gegenpapst Johannes XXIII. zur Flucht verholfen hatte. Der deutsche König Sigmund forderte die Eidgenossen auf, den Aargau im Namen des Reiches zu erobern. Bern zögerte nicht lange und schickte sofort Truppen los. Die Zofinger liessen die Berner am 18. April 1415 kampflos in die Stadt einmarschieren. Als Gegenleistung für das Entgegenkommen wurden nicht nur die bestehenden Rechte bestätigt, die Autonomie der Stadt konnte sogar erweitert werden.
1444 fanden in Zofingen nach der Schlacht bei St. Jakob an der Birs die Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und der Eidgenossenschaft statt. Die Stadt war noch dreimal von grossen Bränden betroffen: 1423 und 1462 in der Oberstadt, 1473 in der Unterstadt; allerdings waren die Zerstörungen bei weitem nicht so gravierend wie noch 1396. Zofingen besass die Niedere Gerichtsbarkeit über Bottenwil, verkaufte diese jedoch im Jahr 1496 an Bern.
Seit dem 15. Jahrhundert existierten vier Zünfte: Die Ackerleutenzunft, die Metzgernzunft, die Schützenzunft und die Gesellschaft zu Schneidern. Neu entstehende Berufsgattungen schlossen sich jeweils einem dieser vier Zünfte an, da neue Zünfte nicht mehr zugelassen wurden. Sie besassen keinen politischen Einfluss, sondern waren reine Berufsorganisationen. Der Handel und das Handwerk blühten; Zofingen war weit herum bekannt für die Zinngiesser, die Glockengiesser und die Glasmaler. Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor waren die grossen Wälder im Besitz der Stadt; das Zofinger Holz war aufgrund der hohen Qualität sehr begehrt. Besonders hoch gewachsene Tannen wurden sogar bis nach Genua exportiert, wo sie von den Schiffsbauern zu Masten verarbeitet wurden.
1528 beschloss Bern die Einführung der Reformation und setzte diese Massnahme auch in allen Untertanengebieten durch. Sämtliche Klöster wurden aufgelöst und deren Vermögen konfisziert, auch das Zofinger Chorherrenstift war davon betroffen. Anstelle der Chorherren verwaltete nun ein von Bern eingesetzter Stiftsschaffner die umfangreichen Güter, das Gebäude diente nun auch als Schule. Die Stadt bemühte sich fast zwanzig Jahre lang vergeblich um einen Anteil am Stiftsvermögen. Die Einkünfte des Stiftes waren über zehn Mal grösser als jene der Stadt. Die südliche Stadtgrenze war zugleich Konfessionsgrenze, denn die angrenzenden luzernischen Untertanengebiete waren katholisch geblieben. Oft vergnügten sich die Einwohner Zofingens an Festen in der weit weniger sittenstrengen Nachbarschaft; wer dabei ertappt wurde, dem drohten empfindliche Strafen.
Chorherren
Eine grosse Pestepidemie im Jahr 1552 forderte über 800 Tote, etwa die Hälfte der damaligen Bevölkerung. 1611 und 1612 starben nochmals rund 380 Personen an der Pest. Nach dem Schweizer Bauernkrieg von 1653 fand in Zofingen das Kriegsgericht statt, bei dem über mehrere Anführer der aufständischen Bauern das Todesurteil verhängt wurde. Im Ersten Villmergerkrieg von 1656 diente Zofingen als Sammelpunkt der Berner Truppen, die jedoch bei Villmergen vernichtend geschlagen wurden. 1712, beim Zweiten Villmergerkrieg war Zofingen wiederum Aufmarschgebiet; diesmal war die Stadt jedoch auf Seiten der Sieger.
Im 17. und frühen 18. Jahrhundert wurden die Holzhäuser in der Altstadt allmählich durch barocke Steinbauten ersetzt. Reiche Stadtbürger liessen ausserhalb der Stadtmauern repräsentative Landsitze errichten. Um etwa 1640 hatte Bern begonnen, die Herstellung von Textilien gezielt zu fördern. Zofingen war wegen der Nähe zu den wichtigsten Handelsrouten besonders gut für die Ansiedlung von Manufakturen geeignet. Zuerst war die Tuchweberei vorherrschend, ab 1700 erlebten die Herstellung von Leinen und Baumwolltüchern einen Aufschwung, ab 1720 auch die Seidenbandfabrikation. Nach 1780 wurde die reine Produktion aufgrund zunehmender ausländischer Konkurrenz durch Weiterverarbeitung und Handel ergänzt.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verbreiteten sich die Ideen der Aufklärung in der führenden Schicht. Die Forderungen nach Gleichheit und Menschenrechten, die sich nach Beginn der Französischen Revolution verbreiteten, fanden in Zofingen jedoch allgemein wenig Gehör. Dies ganz im Gegensatz zu Aarau, wo der Widerstand gegen die alte Herrschaftsordnung besonders gross war. Die Zofinger genossen unter der Herrschaft Berns nach wie vor eine besonders weit reichende Autonomie und fürchteten im Falle politischer Umwälzungen den Verlust alter Privilegien.
Die übrigen Städte des Berner Aargaus entzogen sich zu Beginn des Jahres 1798 der Kontrolle Berns und weigerten sich, Truppen zum Schutz vor den herannahenden Franzosen zu entsenden. Zofingen hingegen hielt weiterhin treu zu den "Gnädigen Herren" und bot Ende Februar das städtische Regiment auf. Doch bereits am 5. März kapitulierte Bern. Am 19. März proklamierte der französische General Guillaume Brune die Helvetische Republik. Zofingen wurde gegen den Willen der Stadtregierung dem neu geschaffenen Kanton Aargau hinzugefügt, der damals lediglich die ehemaligen Berner Untertanengebiete umfasste.
19. Jahrhundert
Helvetische Republik
Im neuen helvetischen Zentralstaat waren die Kantone reine Verwaltungseinheiten, die weiter in Distrikte und Munizipalitäten unterteilt waren. Zofingen wurde mit den übrigen Munizipalitäten gleichgestellt und verlor sämtliche Vorrechte. Die Stadt war nun Hauptort des Distrikts Zofingen. Dieser entsprach östlich der Wigger dem heutigen Bezirk. Das Gebiet westlich der Wigger mit den Munizipalitäten Brittnau, Murgenthal, Rothrist, Strengelbach und Vordemwald gehörte aber zum Kanton Bern. Dies war insofern problematisch, als die Stadt dort grosse Waldgebiete besass; das Aufspüren und die Bestrafung von illegalen Holzfällern wurden dadurch stark erschwert.
Nicht alle mochten sich mit den neuen Verhältnissen anfreunden. Anhänger der alten Ordnung versuchten mehrmals mit Petitionen einen Anschluss an den Kanton Bern zu erreichen, was die Besatzungsmacht jedoch nicht duldete. Als die französischen Truppen sich im Jahr 1802 für einige Monate zurückzogen, hatten die Berntreuen eine Zeitlang die Oberhand und ignorierten die Anweisungen aus Aarau. Die am 19. März 1803 von Napoléon Bonaparte unterzeichnete Mediationsakte beendete alle Wiedervereinigungsträume, denn Zofingen gehörte nun endgültig zum Kanton Aargau. Das Gebiet westlich der Wigger wurde dem Bezirk Zofingen angefügt.
Der Wiener Kongress bestätigte, dass Zofingen Teil des Kantons Aargau bleiben würde. Der Stadtrat suchte nach Möglichkeiten, Zofingen über den Status eines gewöhnlichen Bezirkshauptorts zu heben. Der Vorschlag, die Tagsatzungen der Eidgenossenschaft hier durchzuführen, war jedoch chancenlos. Nach und nach öffnete sich die Stadt dem Liberalismus und diente als Versammlungsort liberaler Gesellschaften. So wurde hier 1819 die Zofingia gegründet, die älteste noch bestehende Studentenverbindung der Schweiz. Zofingen entwickelte sich zu einer Hochburg der liberalen Kräfte, bis in die 1960er blieb die FDP die dominierende politische Partei; bis 2005 wurde kein einziger Vertreter einer anderen Partei zum Stadtpräsidenten gewählt.
Als Zeichen der Öffnung begann 1819 der Abbruch der mittelalterlichen Befestigungsanlagen, der 1825 abgeschlossen war. Zwanzig Jahre später waren auch die Stadttore verschwunden. Doch erst ab 1850 begann sich die Bebauung über das historische Stadtzentrum auszudehnen; zuerst entlang der Hauptstrassen in der Ebene, dann zunehmend an den östlich gelegenen Hügeln. Die Industrie siedelte sich hauptsächlich an der Wigger an.
Die Industrialisierung begann sich im Vergleich zu anderen aargauischen Städten relativ spät durchzusetzen. Hauptgrund war die geringe Wasserkraft der Wigger. 1843 gab es in Zofingen erst eine einzige Fabrik. Dank des zunehmenden Einsatzes von Dampfmaschinen erlebte die Zofinger Industrie ab 1855 eine Blütezeit, in der zahlreiche neue Unternehmen entstanden, vor allem in der Textilindustrie. Parallel dazu sank die Bedeutung der Landwirtschaft und des Handwerks; damit verbunden war auch der Niedergang der Zünfte; die letzte löste sich 1871 auf. An Stelle der Zünfte trat der 1837 gegründete Handwerker- und Gewerbeverein. Die Fabrikanten und Kaufleute schlossen sich 1855 im Handels- und Industrieverein zusammen, die erste Vereinigung dieser Art im Kanton Aargau und eine der ersten der Schweiz.
Nach der Gründung des schweizerischen Bundesstaates im Jahr 1848 war Zofingen weiterhin bestrebt, den Standortvorteil nahe des Kreuzungspunktes der wichtigsten Handelswege zu nutzen und eine grössere Rolle zu spielen. Die Stadt bewarb sich als Standort des Bundesgerichts, unterlag aber deutlich gegen Lausanne. Eine neue Chance für Prestigegewinn bot sich 1851, als ein nationales Telegrafennetz geplant wurde. Tatsächlich bekam Zofingen 1852 den Zuschlag als Standort des Telegrafenhauptamts.
1852
Ab 1853 plante und baute die Schweizerische Centralbahn (SCB) ihr Stammnetz. Die Zofinger Stadtbehörden setzten sich aktiv dafür ein, dass die Stadt der Knotenpunkt der Nord-Süd- und der Ost-West-Hauptlinien werden sollte. Für die Verbindung zwischen Zürich und Bern schlugen sie eine Streckenführung von Olten über Zofingen und Vordemwald nach Langenthal vor. Doch die SCB entschied sich stattdessen für die direkte Route von Olten über Murgenthal entlang der Aare; statt Zofingen wurde somit Olten der zentrale Knotenpunkt. Die Strecke Aarau – Olten – Zofingen – Emmenbrücke wurde am 9. Juni 1856 eröffnet. Die Verlängerungen nach Basel und Luzern folgten 1858 und 1859. Das Telegrafenhauptamt zog bereits 1857 nach Olten um.
Rund zwanzig Jahre nach der Eröffnung der Bahnlinie Basel - Luzern ergab sich für Zofingen doch noch die Möglichkeit, zu einem Bahnknotenpunkt aufzusteigen. Die Schweizerische Nationalbahn (SNB) plante eine "Volksbahn" vom Bodensee an den Genfersee, als Konkurrenz zu den "Herrenbahnen" SCB und NOB. Zofingen beteiligte sich mit 17,5 Prozent am Aktienkapital und war damit der grösste Aktionär. Der Abschnitt Konstanz - Winterthur wurde 1875 eröffnet, der Abschnitt Winterthur – Wettingen – Lenzburg – Zofingen am 6. September 1877. Geplant war eine dritte Etappe von Zofingen über Langenthal und Utzenstorf nach Lyss. Doch dazu kam es nicht mehr, denn bereits im Februar 1878 ging die SNB in Konkurs. Die Stadt litt während Jahrzehnten an den finanziellen Folgen dieses Fiaskos; die letzte Obligation wurde erst im Dezember 1943 abbezahlt.
Der Konkurs war auf zwei Faktoren zurückzuführen; eine rein nach politischen Gesichtspunkten gewählte Linienführung sowie eine Wirtschaftskrise, die bis weit in die 1880er hinein anhielt. Diese traf vor allem die Textilindustrie hart; zahlreiche traditionsreiche Unternehmen verschwanden. Gegen Ende der 1880er folgte eine zweite "Gründerzeit". Der Schwerpunkt in der Textilindustrie verschob sich von der Tuchherstellung zur Ausrüstungs- und Bekleidungsindustrie. Zugleich gewannen die chemische und die grafische Industrie immer mehr an Bedeutung.
Trotz der tief greifenden Krise machte der Ausbau der Infrastruktur grosse Fortschritte. 1876 nahm das städtische Gaswerk den Betrieb auf, 1888 folgte das Bezirksspital, 1890 die Wasserversorgung. Der Anschluss ans Elektrizitätsnetz erfolgte 1896.
20. und 21. Jahrhundert
Die meisten Zofinger Unternehmen profitierten von den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges, weil die ausländische Konkurrenz wegfiel. Wegen der hohen Inflation verarmten jedoch weite Teile der Bevölkerung; bei Kriegsende war ein Fünftel der Stadtbevölkerung auf Lebensmittelnothilfe angewiesen.
Nach einer kurzen Rezession nahm die Zahl der in der Industrie Beschäftigten bis 1929 nochmals um über 50 Prozent zu, von 1500 auf 2300. Die Hälfte dieses Wachstums war auf das Unternehmen Ringier zurückzuführen. Es hatte 1833 als kleine Buchdruckerei begonnen und stieg in den 1920ern zum grössten Arbeitgeber der Stadt auf, einige Jahrzehnte später zum grössten Medienkonzern der Schweiz. Die Textilindustrie, die etwa die Hälfte aller Industriearbeitsplätze anbot, stagnierte hingegen.
1930 wurde eine katholische Pfarrkirche gebaut, damit hatten die Katholiken nach über 400 Jahren wieder ein eigenes Gotteshaus in Zofingen. Die Weltwirtschaftskrise hatte auf die Zofinger Industrie vergleichsweise geringe Auswirkungen, da die besonders betroffene Maschinenindustrie hier kaum vertreten war. Während des Zweiten Weltkriegs herrschte akuter Arbeitskräftemangel, weil viele Industriearbeiter Militärdienst leisten mussten. Von September 1943 bis August 1945 bestand in Zofingen ein Krankenlager für bis zu 180 internierte Soldaten aus verschiedenen europäischen Ländern.
Nach dem Krieg nahm die Bedeutung der Maschinen- und Apparateindustrie rasch zu. Die 1947 gegründete Müller Martini AG stieg innerhalb weniger Jahrzehnte zum weltweit grössten Hersteller von Maschinen für die Druckweiterverarbeitung auf. Mitte der 1960er arbeiteten mehr als zwei Drittel aller Beschäftigten in der Industrie. Da die Baulandreserven weitgehend erschlossen waren, wuchs die überbaute Fläche allmählich mit jener der Nachbargemeinden Oftringen und Strengelbach zusammen.
Während der 1960er versuchte der Kanton, das unhaltbar scheinende Wachstum in die richtigen Bahnen zu lenken: Geplant war eine polyzentrische Stadt mit dem Namen Aarolfingen (Aarau - Olten - Zofingen), die 330'000 Einwohner zählen sollte. Doch die Wirtschaftskrise der 1970er bereitete diesen Grossstadtträumen ein rasches Ende; die Bevölkerung Zofingens ging sogar leicht zurück. Die Textilindustrie brach regelrecht ein. Zahlreiche Unternehmen wurden liquidiert oder wandelten sich zu reinen Immobiliengesellschaften. Mitte der 1990er betrug der Anteil der in der Textilindustrie Beschäftigten nur noch fünf Prozent. Die wenigen verbleibenden Unternehmen überlebten, weil sie sich auf hochwertige Nischenprodukte spezialisierten.
Zofingen und das benachbarte Mühlethal vereinigten sich am 1. Januar 2002 zu einer Gemeinde. Bereits 1874 war der Anschluss angestrebt worden, doch Zofingen weigerte sich, diese verarmte, fast ausschliesslich landwirtschaftlich geprägte Gemeinde aufzunehmen. Weitere Eingemeindungsgesuche scheiterten 1895, 1897, 1911, 1921 und 1937. Immerhin war die Stadt bereit, jährliche Unterstützungsbeiträge zu zahlen; in den 1960ern beteiligte sie sich am Schulhausneubau. 1970 war es dann aber Mühlethal, das eine Fusion ablehnte, denn durch den neu eingeführten Finanzausgleich konnten die Steuern spürbar gesenkt werden. Innerhalb der nächsten dreissig Jahre verdoppelte sich die Bevölkerung Mühlethals. Die neu zugezogenen Einwohner waren allerdings eher nach Zofingen orientiert, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Als die Fusionsfrage 1998 wieder auf der Tagesordnung stand, gab es nur noch wenig Widerstand. Bei der Volksabstimmung vom 13. Juni 1999 wurde die Fusion in beiden Gemeinden deutlich angenommen, mit 2669:316 Stimmen in Zofingen und 333:67 Stimmen in Mühlethal.
Wappen
Das Zofinger Wappen wurde seit 1387 als Siegel an Urkunden verwendet. Mit den vier Querbalken (rot, weiss, rot, weiss) besitzt es eine grosse Ähnlichkeit mit dem österreichischen Wappen. Damit wird an die Herrschaft der Habsburger erinnert, die von 1299 bis 1415 über die Stadt herrschten. Die älteste farbige Darstellung des Zofinger Banners findet man in der Tschachtlanchronik des Berner Ratsherren Bendicht Tschachtlan aus dem Jahr 1470.
Sehenswürdigkeiten
Altstadt
1470
Die historische Altstadt ist eine der am besten erhaltenen der Schweiz. Sie hat die Form eines unregelmässigen Rechtecks mit einer Länge von 470 Metern und einer maximalen Breite von 225 Metern. Sie wird in Nord-Süd-Richtung von der Hinteren und der Vorderen Hauptgasse durchzogen, mehrere schmale Gassen stellen Querverbindungen her. Zofingen war die grösste der acht Städte, die von den Grafen von Frohburg zur Sicherung ihres Machtbereichs gegründet worden waren. Das heutige Erscheinungsbild wurde im 17. und frühen 18. Jahrhundert geprägt, als die Holzhäuser aus dem Mittelalter nach und nach durch Steinbauten im Barockstil ersetzt wurden.
Das zentrale Wahrzeichen ist die Stadtkirche St. Mauritius, die ehemalige Kirche des Chorherrenstiftes. Bei Renovierungsarbeiten stiess man auf die Überreste von mehreren Vorgängerbauten, die ersten Grundmauern wurden um das Jahr 600 errichtet. Die ältesten Elemente des heutigen dreiteiligen Kirchenschiffs stammen aus dem 11. Jahrhundert. Die Westseite wie auch die Ostseite mit dem Chor und der Krypta sind im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert worden. An der Westseite steht der über 60 Meter hohe, im Jahr 1649 errichtete Kirchturm.
Am Kirchplatz steht der St. Urbanhof, die Lehensverwaltung des ehemaligen Klosters St. Urban; die ältesten Teile stammen aus dem 13. Jahrhundert. Östlich der Stadtkirche befindet sich der nach dem Zofinger Stadthelden Niklaus Thut benannte Platz, mit dem im Jahr 1894 von der Studentenverbindung Zofingia gestifteten Niklaus-Thut-Brunnen in der Mitte. An der Südseite des Platzes steht das Rathaus (1795), das bereits 1475 und 1606 völlig neu gebaut worden war; von den Vorgängerbauten sind der Archivturm (1482) und das angrenzende Weibelhaus (1606) erhalten geblieben.
Die aus dem frühen 14. Jahrhundert stammenden Ringmauern waren im 19. Jahrhundert durch die militärtechnische Entwicklung obsolet geworden und hinderten die Stadt an der Ausdehnung. Deshalb wurden sie zwischen 1819 und 1825 abgerissen und die davor liegenden Gräben eingeebnet. An ihrer Stelle umringt heute eine Gartenanlage die Altstadt. Die Stadttore wurden zwischen 1837 und 1846 abgebrochen.
Stadttor
An der Hinteren Hauptgasse befindet sich die 1602 erbaute Lateinschule. In derselben Gasse ist auch das Stadthaus zu finden. Dieses ist zwar erst 1938 anstelle der abgebrochenen Spitalscheune erbaut worden, fügt sich aber dennoch gut in das Stadtbild ein; heute ist hier ein Teil der Stadtverwaltung untergebracht. Ein zweites Stadthaus befindet sich in der Vorderen Hauptgasse. Es entstand im Jahr 1930; das Erdgeschoss mit den Arkaden war zuvor Teil des alten Spitals gewesen, das sich mindestens seit 1263 an dieser Stelle befunden hatte.
Die Türme der Ringmauer sind erhalten geblieben, von zwei Ausnahmen abgesehen. Der Folterturm (oder Streckturm) befindet sich an der Westseite direkt gegenüber dem Bahnhof und diente während Jahrhunderten als Gefängnis. Der Münzturm an der Nordostseite ist Teil des Münzhofs. In diesem Gebäude waren während der Herrschaft der Habsburger die Zofinger Münzen geprägt worden, die in der ganzen Nordwestschweiz im Umlauf waren, dann jedoch durch die Berner Währung verdrängt wurden. Der Pulverturm steht an der Südostecke; er diente zur Aufbewahrung des Schiesspulvers. Der Stiftsturm an der Ostseite war der Standort der Propstei, der Verwaltung des Chorherrenstiftes. Abgebrochen hingegen wurden der Hafner- und der Hellmühleturm.
Übriges Stadtgebiet
Propstei
Östlich an die Altstadt schliesst sich eine parkähnliche Zone mit öffentlichen Bauten an. Diese wird dominiert durch das zwischen 1873 und 1876 im Neorenaissance-Stil erbaute Gemeindeschulhaus; es ist eines der monumentalsten Schulgebäude der Schweiz des 19. Jahrhunderts. Flankiert wird das Gebäude einerseits durch das Stadtmuseum (1899-1901), andererseits durch das Alte Schützenhaus (1813-1822).
Auf der Kuppe des Heiternhügels befindet sich der so genannte Heiternplatz. Dabei handelt es sich um einen 200 Meter langen und 150 Meter breiten rechteckigen Platz, der auf allen Seiten von Linden umgeben ist. Er war 1745 eingeebnet worden und diente einst als Musterungsgelände. Heute ist er ein idealer Standort für Volksfeste und kulturelle Veranstaltungen; der Heiternplatz wird oft auch als "schönster Festplatz der Schweiz" bezeichnet.
Neben dem Heiternplatz befinden sich der "Hirschpark" und der Obstsortengarten. Der "Hirschpark" ist ein 1897 eröffneter Wildpark mit einer Fläche von 3,5 Hektar. Neben zahlreichen Hirscharten können auch Wildschweine und Mufflons beobachtet werden. Beim Obstsortengarten handelt es sich um ein 9 Hektar grosses Gelände mit über 700 Hochstamm-Obstbäumen, auf denen nicht weniger als 190 verschiedene Obstsorten wachsen. Der Garten spielt eine wichtige Rolle für den Fortbestand alter und wenig bekannter Obstsorten. Am Südwesthang des Heitern befand sich einst ein römischer Gutshof; besonders gut erhalten geblieben ist dort der Mosaikfussboden.
1609 entstand im Nordwesten, damals weit ausserhalb der Stadtmauern gelegen, das Siechenhaus. Hier wurden Personen mit ansteckenden Krankheiten versorgt, das Betreten der Stadt war ihnen nicht erlaubt. Weit im Osten an der Grenze zu Bottenwil erhebt sich auf einem Hügel die Ruine der Burg Bottenstein. Diese war im 13. Jahrhundert im Auftrag der gleichnamigen Ministerialenfamilie erbaut worden. Bereits Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Burg verlassen und zerfiel zu einer Ruine; heute sind nur noch die Grundmauern übrig geblieben.
Bevölkerung
Am 31. Dezember 2004 lebten 10'210 Menschen in Zofingen, der Ausländeranteil betrug 16,1 %. Bei der Volkszählung 2000 (noch ohne Mühlethal) waren 48,8 % reformiert, 31,0 % römisch-katholisch, 3,3 % moslemisch und 1,7 % christlich-orthodox; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 88,3 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 3,6 % Italienisch, 1,5 % Portugiesisch, 1,4 % Serbokroatisch, 0,9 % Französisch, 0,6 % Spanisch, je 0,5 % Englisch und Türkisch.
Der Anteil der ausländischen Bevölkerung liegt knapp unter dem kantonalen Durchschnitt von 19,3 Prozent. Bis 1950 stieg der Anteil langsam, aber kontinuierlich an. Zwischen 1950 und 1970 erfolgte dann eine Verdreifachung, als vor allem viele Italiener zuzogen. Noch heute bilden die Italiener die grösste Ausländergruppe (rund 4,5 % der Bevölkerung), gefolgt von Portugiesen, Bürgern der ehemaligen jugoslawischen Staaten und Deutschen.
1764 führte Bern erstmals eine Volkszählung durch; damals war Zofingen die grösste Stadt des Aargaus, 1850 war sie immerhin die zweitgrösste nach Aarau. Doch trotz eines kontinuierlichen Wachstums (mit Ausnahme der 1970er) haben seither weitere Gemeinden Zofingen überholt, da sich die Baulandreserven auf das flache, unbewaldete Drittel im Westen beschränken. Nach der Eingemeindung von Mühlethal stieg die Einwohnerzahl auf über 10'000, damit ist Zofingen nun auch statistisch gesehen eine Stadt.
Im 19. Jahrhundert galt Zofingen als reformierte Hochburg, im Jahr 1850 betrug der Anteil der Katholiken lediglich knapp drei Prozent. Dieser Anteil ist nach 1900 aufgrund der Zuwanderung aus der übrigen Schweiz und den Mittelmeerländern kontinuierlich angestiegen und beträgt heute rund ein Drittel.
Behörden
Legislative
Anstelle einer Gemeindeversammlung vertritt der von den Zofinger Stimmberechtigten gewählte Einwohnerrat die Anliegen der Bevölkerung. Er besteht aus 40 Mitgliedern und wird im Proporzwahlverfahren gewählt. Ihm obliegt das Genehmigen des Steuerfusses, des Voranschlages, der Jahresrechnung, des Geschäftsberichts und der Kredite; ausserdem kann er Reglemente erlassen. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre.
Bei den bisherigen Wahlen erzielten die Parteien folgende Sitzzahlen:
1 CVP, LdU und Parteilose, bis 2005 auch EVP
Auch auf Gemeindeebene finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden sowie das Initiativrecht zu.
Exekutive
Ausführende Behörde ist der Stadtrat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse des Einwohnerrates und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Der Stadtammann (Stadtpräsident) übt seine Tätigkeiten im Vollamt aus, die übrigen Stadträte im Nebenamt.
Die sieben Stadträte (bis Ende Dezember 2005) sind:
- Urs Locher, (FDP), Stadtammann
- Hansruedi Gilgen (Dynamische Mitte), Vize-Stadtammann
- Jürg Bachmann (FDP)
- Annegret Dubach-Lemberg (SP)
- Hans-Ruedi Hottiger (parteilos)
- Therese Müller-Widmer (SVP)
- Urs Schaufelberger (SP)
Stadträte ab Januar 2006:
- Hans-Ruedi Hottiger (parteilos), Stadtammann
- Urs Schaufelberger (SP), Vize-Stadtammann
- Jürg Bachmann (FDP)
- Annegret Dubach-Lemberg (SP)
- Hansruedi Gilgen (Dynamische Mitte)
- Therese Müller-Widmer (SVP)
- Herbert Scholl (FDP)
Judikative
Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Zofingen zuständig. Die Stadt Zofingen bildet einen Friedensrichterkreis.
Wirtschaft
Friedensrichter
In Zofingen gibt es rund 9000 Arbeitsplätze, davon 1 % in der Landwirtschaft, 54 % in der Industrie und 45 % im Dienstleistungsbereich. Fast ein Drittel der Arbeitsplätze des Bezirks sind im Hauptort konzentriert. Zofingen ist damit nicht nur das wirtschaftliche Zentrum des südwestlichen Aargaus, auch weite Gebiete im Nordwesten des Kantons Luzern zählen zum Einzugsgebiet.
Mehrere international tätige Konzerne haben ihren Hauptsitz in Zofingen. Am bekanntesten ist das Verlagshaus Ringier, der grösste Printmedienkonzern der Schweiz (u. a. Blick, Schweizer Illustrierte, Tele, Glückspost, zahlreiche Beteiligungen in Osteuropa und Asien). Die Müller Martini AG ist der weltweit grösste Hersteller von Systemen für die Druck-Weiterverarbeitung. Die Siegfried AG ist ein bedeutender Fabrikationsbetrieb für pharmazeutische Wirkstoffe. Die Tally-Weijl AG ist eine Modehandelskette mit Filialen hauptsächlich in Osteuropa und im Nahen Osten.
Neben diesen Konzernen gibt es noch rund 700 kleine und mittlere Unternehmen, wobei die auf hochwertige Nischenprodukte spezialisierte Textilindustrie einen überdurchschnittlich hohen Anteil aufweist. Diese Unternehmen sind im Gewerbeverein Zofingen und im Handels- und Industrieverein Zofingen zusammengeschlossen. Trotz sinkender Erträge besitzt die Forstwirtschaft noch immer eine gewisse Bedeutung. Die Ortsbürgergemeinde Zofingen besitzt eine Waldfläche von über 14,5 km², die sich auf acht Gemeinden in den Kantonen Aargau und Luzern verteilt; sie ist damit nach dem Kanton die zweitgrösste Waldeigentümerin im Aargau.
Von nationalem Interesse ist der Bio-Marché, die bedeutendste Schweizer Bio-Messe, die seit dem Jahr 2000 jeweils im Frühsommer in Zofingen stattfindet.
Verkehr
Ortsbürgergemeinde
Zofingen ist verkehrstechnisch ausgezeichnet erschlossen. Zwei Kilometer nordwestlich der Stadt liegt das Autobahndreieck Wiggertal, wo die A2 auf die A1 trifft; die zwei wichtigsten Autobahnen der Schweiz. Die Autobahnausfahrt befindet sich in unmittelbarer Nähe auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Oftringen. Wichtige Hauptstrassen führen über Aarburg nach Olten, über Langenthal und Burgdorf nach Bern und nach Luzern.
Der SBB-Bahnhof befindet sich an der Haupttransitachse Basel - Luzern - Gotthard - Mailand, stündlich halten mehrere Schnell- und Regionalzüge. Seit der Eröffnung der Bahn 2000-Neubaustrecke im Dezember 2004 gibt es auch direkte Schnellzüge nach Bern, ohne Umweg über Olten. Eine weitere Bahnlinie führt von Zofingen über Suhr nach Lenzburg.
Vom Bahnhof aus verkehren Buslinien nach Aarburg, Brittnau, Murgenthal, Richenthal, St. Urban, Schöftland und Vordemwald. Der Betrieb dieser Linien wurde im Jahr 2003 neu ausgeschrieben und an die BDWM Transport vergeben. Die Übergabe hätte im Dezember 2004 erfolgen sollen, doch die bisherige Konzessionsinhaberin Postauto konnte dies mit juristischen Schritten um ein Jahr hinauszögern.
Kultur
Die Anfänge der Stadtbibliothek reichen bis ins Jahr 1693 zurück. Mit über 100'000 Werken ist sie heute die zweitgrösste Bibliothek des Aargaus, nach der Kantonsbibliothek in Aarau. Seit 1974 ist sie in der ehemaligen Lateinschule untergebracht.
Das im Jahr 1901 eröffnete Stadtmuseum geht auf Schenkungen des Textilindustriellen Gustav Straehl und des Apothekers Hermann Fischer-Siegwart zurück; diese stellten 150'000 Franken (nach heutigem Wert ca. 6 Millionen) für den Bau eines Museums sowie ihre Privatsammlungen zur Verfügung. Durch weitere Schenkungen konnte das Museum sukzessive erweitert werden. Heute umfasst es zwei Abteilungen: Die Historische Abteilung befasst sich mit der Stadtgeschichte Zofingens sowie mit der Entwicklung der Druckindustrie und der Geschichte der Zofingia. In der Naturhistorischen Abteilung befindet sich eine umfangreiche Naturaliensammlung.
Das Alte Schützenhaus beherbergt die städtische Kunstsammlung sowie private Sammlungen. Es ist vor allem auf bildende Kunst und moderne Malerei spezialisiert, wobei bevorzugt Werke von Künstlern aus der Region gezeigt werden. Jedes Jahr findet im August in der Altstadt ein Kunstmarkt statt, an dem Künstler aus der ganzen Schweiz ihre Werke ausstellen und verkaufen.
Im Stadtsaal finden regelmässig Theateraufführungen und klassische Konzerte statt, in der "Kleinen Bühne" zusätzlich auch literarische Vorlesungen. Der Kulturverein "Ochsen" organisiert im gleichnamigen Genossenschaftsrestaurant Konzerte verschiedenster Stilrichtungen und fördert die regionale Rockszene. 1991 fand auf dem Heiternplatz erstmals das "Heitere Open Air" mit bekannten Pop- und Rockbands aus dem In- und Ausland statt; es hat sich zu einem Grossanlass mit 30’000 Besuchern entwickelt. In unregelmässigen Abständen wird auch ein "Classic Open Air" durchgeführt, zahlreiche Opernstars wie Placido Domingo und Montserrat Caballé sind schon in Zofingen aufgetreten.
Bildung
Zofingen ist das Bildungszentrum des südwestlichen Aargaus. In den städtischen Schulen werden alle Schultypen unterrichtet, so dass es den Jugendlichen möglich ist, hier ihre gesamte Ausbildung bis zur Erlangung der Hochschulreife zu absolvieren. Über das ganze Stadtgebiet verteilt sind sieben Kindergärten. Die Primarschule, die Realschule und die Sekundarschule werden im 1877 erbauten zentralen Gemeindeschulhaus unterrichtet; das Dorf Mühlethal besitzt ein eigenes Primarschulhaus. Die Bezirksschule ist in einem 1958 eröffneten Neubau neben der Gemeindeschule untergebracht.
Einen markanten Ausbau des Bildungswesens erfuhr die Stadt im Jahr 1977 mit der Eröffnung des Bildungszentrums Zofingen (BZZ). Dort sind die Kantonsschule, die Pädagogische Fachhochschule (Institut für die Primarstufe), die Berufsschule, die kaufmännische Handelsschule, die Heilpädagogische Sonderschule, die Erwachsenenbildung und die Berufsberatung untergebracht.
Sport und Freizeit
Zofingen ist seit 1989 Austragungsort des "Powerman", der offiziellen Duathlon-Weltmeisterschaft. Auf der Leichtathletik-Anlage "Trinermatten" fanden schon zahlreiche nationale und internationale Wettkämpfe statt, darunter mehrmals Schweizermeisterschaften. Sehr beliebt sind auch das Schwimmbad sowie die Kletterwand in der Mehrzweckhalle. Mannschaftssportarten sind in Zofingen eher untervertreten, eine bekannte Ausnahme bildet der TV Zofingen, der in der dritthöchsten Handball-Liga spielt. Für Jugendliche stehen die Freizeitanlage Spittelhof und der Jugendtreff "Planet Z" zur Verfügung. Das Nachtleben ist eher nach Olten und Aarau orientiert.
Persönlichkeiten
- Niklaus Thut († 1386; legendärer Stadtheld)
- Walther Geiser (1897 - 1993; Komponist und Musikpädagoge)
- Erich von Däniken (1935; Schriftsteller)
- Hansjörg Schneider (1938; Schauspieler)
- Johannes Siegrist (1943; Medizinsoziologe)
- Therese Frösch (1951; Politikerin)
Literatur
- August Bickel: Zofingen von der Urzeit bis ins Mittelalter; Verlag Sauerländer, Aarau, 1992; ISBN 3-906419-09-6 (Geschichte des Raumes Zofingen von den ersten Siedlungsspuren bis zur Stadtgründung)
- Christian Hesse: St. Mauritius in Zofingen; Verlag Sauerländer, Aarau, 1993; ISBN 3-7941-3602-0 (Verfassungs- und sozialgeschichtliche Aspekte eines mittelalterlichen Chorherrenstiftes)
- Edith Hunziker, Bruno Meier, Annemarie Roth, Dominik Sauerländer: Zofingen vom Mittelalter bis 1798 - Eine selbstbewusste Landstadt unter Habsburg und Bern; Verlag hier+jetzt, Baden, 2004; ISBN 3-906419-83-5 (detaillierte Stadtgeschichte von der Stadtgründung bis zum Ende der Berner Herrschaft, mit zahlreichen Abbildungen)
- Christian Lüthi, Manuela Ros, Annemarie Roth, Andreas Steigmeier: Zofingen im 19. und 20. Jahrhundert - Eine Kleinstadt sucht ihre Rolle; Verlag hier+jetzt, Baden, 1999: ISBN 3-906419-02-9 (detaillierte Stadtgeschichte Zofingens als Aargauer Bezirkshauptort, mit zahlreichen Abbildungen, Plänen und Statistiken)
- Kurt Blum, Peter Fehlmann, Rudolf Hunziker: Zofingen - eine Stadt zeigt ihr Gesicht; Verlag Zofinger Tagblatt, Zofingen; ISBN 3-909262-05-8 (Bildband mit Fotos aus Zofingen und Umgebung)
- Kurt Blum: Gruss aus Zofingen; Verlag Zofinger Tagblatt, Zofingen (Bildband mit Ansichtskarten aus dem 19. Jahrhundert)
- Franz Oswald, Peter Baccini: Netzstadt. Einführung in das Stadtentwerfen, Basel/Boston/Berlin: Birkhäuser 2003 (Städtebautheorie, Erläuterung der Netzstadtmethode am Beispiel der "Stadt an der Wigger", bestehend aus Aarburg, Oftringen, Rothrist und Zofingen)
Weblinks
- [http://www.zofingen.ch Offizielle Website der Stadt Zofingen]
- [http://www.kunsthauszofingen.ch Kunst im alten Schützenhaus]
- [http://www.zofingenregio.ch Zofingen Regio] (Regionsmarketing)
- [http://www.powerman.ch Powerman Zofingen] (Duathlon-Weltmeisterschaft)
- [http://www.heitere.ch Heitere Open Air]
Kategorie:Ort in der Schweiz
Kategorie:Ort im Kanton Aargau
Kategorie:Schweizer Gemeinde
Zofingen (Bezirk)Zofingen ist ein Bezirk des Schweizer Kantons Aargau, der aus dem südwestlichen Zipfel des Kantons besteht (der sog. Wetterecke). Hauptort ist Zofingen. Der Bezirk umfasst 18 Gemeinden, ist 142.01 km² gross und zählt 60'372 Einwohner (Ende 2004).
Gemeinden
Zofingen
Zofingen
Kategorie:Schweizer Bezirk
Schweiz
Die Schweizerische Eidgenossenschaft (franz. Confédération suisse, ital. Confederazione Svizzera, rätoroman. Confederaziun svizra, lat. Confoederatio Helvetica), kurz Schweiz, ist ein Binnenstaat in Mitteleuropa. Der Name Schweiz ist die ins Hochdeutsche übertragene Form des Kantonsnamens Schwyz, der auf die gesamte Eidgenossenschaft verallgemeinert wurde.
Die Schweiz liegt zwischen Bodensee und Genfersee, Alpenrhein und Jura, Hochrhein und Alpensüdrand. Sie grenzt nördlich an Deutschland (345.7 km Grenzlänge), östlich an Liechtenstein (41.1 km) und Österreich (165.1 km), südlich an Italien (734.2 km). Der westliche Nachbar ist Frankreich mit 571.8 km gemeinsamer Grenzlänge.
In Kürze
Frankreich
Die Schweiz ist geprägt von Gebirgen, Seen und Wäldern.
Die Schweizer verstehen sich als «Willensnation» – sie bilden weder ethnisch noch sprachlich noch religiös eine Einheit. Ihr Zusammengehörigkeitsgefühl speist sich aus der gemeinsamen Geschichte, den gemeinsamen Mythen, gemeinsamen politischen Grundhaltungen (Föderalismus, Volksrechte) und zum Teil aus dem Gefühl, in Europa einen Sonderfall zu bilden.
Der Legende nach wurde die Eidgenossenschaft am 1. August 1291 auf der Rütli-Wiese gegründet. Der 1. August ist deshalb heute Nationalfeiertag.
Die Schweiz in ihrer heutigen Form als föderalistischer Bundesstaat besteht seit 1848. Sie gliedert sich in 26 Kantone.
Die ständige Wohnbevölkerung beträgt 7.4 Millionen, davon sind 20.6 % Ausländer.
Die Lebenserwartung beträgt 82.8 Jahre für Frauen und 77.2 für Männer (BFS, 2005).
Offizielle Landessprachen sind deutsch, französisch, italienisch und rätoromanisch.
41 % der Schweizer Bürger sind römisch-katholisch und 40 % sind evangelisch-reformiert.
Die Schweiz ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von durchschnittlich 58'000 Schweizer Franken (38'000 Euro) pro Einwohner und Jahr eines der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt. Drei Viertel der Erwerbstätigen sind im Dienstleistungssektor tätig.
Die Schweiz versteht sich als aussenpolitisch neutral. Sie ist Mitglied der UNO, der EFTA, des Europarats, der WTO, nicht aber der Europäischen Union.
Das Landeskennzeichen der Schweiz ist «CH», für Confœderatio Helvetica, die lateinische Bezeichnung für Schweizerische Eidgenossenschaft.
Geografie
CH
Die Schweiz gliedert sich in fünf geografische Räume, die klimatisch grosse Unterschiede aufweisen: den Jura, das Mittelland, die Voralpen, die Alpen und die Alpensüdseite.
38% (14'813 km²) der Schweizer Fläche werden landwirtschaftlich genutzt. Davon sind 30.4% (12'522 km²) Wald. Überbaut sind 5.8% (2418 km²). 25.5 % (10'531 km²) – vorwiegend in den Bergen – gelten als unproduktive Naturfläche.
Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 220 km, die grösste West-Ost-Ausdehnung 348 km.
Geologie
Die geologische Struktur der Schweiz ist im Wesentlichen das Ergebnis einer
Plattenkollision Afrikas und Europas während der letzten Jahrmillionen.
Geologisch wird die Schweiz in fünf Hauptregionen eingeteilt: Die Alpen bestehen im Kern aus Granit, der Jura ist ein junges Faltengebirge aus Kalkstein. Zwischen dem Jura und den Alpen liegt das teils flache, teils hügelige Mittelland. Dazu kommen noch die Poebene im südlichsten Zipfel des Tessins, dem Mendrisiotto (Mendrisio), sowie die Oberrheinische Tiefebene um Basel, welche zum allergrössten Teil ausserhalb der Schweiz liegen.
Berge
Oberrheinische Tiefebene
In der Schweiz gibt es insgesamt 74 Viertausender. Davon befinden sich 55 ganz in der Schweiz; 19 sind an der Grenze zu Italien. Die zwölf höchsten Berge der Schweiz befinden sich alle in den Walliser Alpen. Der höchste unter ihnen ist die Dufourspitze im Monte-Rosa-Gebirgsmassiv mit 4634 m. Die Dufourspitze ist damit gleichzeitig der höchste Punkt der Schweiz. Der im Ausland bekannteste Berg in den Schweizer Alpen ist das Matterhorn (4478 m) südlich von Zermatt.
Im Berner Oberland bilden der Eiger (3970 m), der Mönch (4107 m) und die Jungfrau (4158 m) eine bekannte Dreiergruppe.
Die markanten Punkte der Ostalpen sind der Piz Bernina (4049 m), der östlichste Viertausender der Alpen, und der Piz Palü (3901 m).
In den Voralpen sind die Erhebungen deutlich tiefer, nicht desto weniger existieren hier bekannte Punkte, so der Luzerner Hausberg Pilatus (2032 m), der Titlis (3238 m), die Rigi (1797 m) im Kanton Schwyz oder der Säntis (2502 m) im Alpstein in der Ostschweiz. Erwähnenswert sind auch die Gebirge im Tessin.
Die grösste Erhebung im Jura befindet sich in Frankreich, es ist der Crêt de la Neige mit 1718 m. Der höchste Schweizer Jura-Berg ist der Mont Tendre mit 1679 m. Der bekannteste Vertreter ist jedoch vermutlich das Chasseral (1607 m). Weitere Berge sind la Dôle (1677 m), Chasseron (1607 m) und le Suchet (1588 m).
Siehe auch: Liste der Berge in der Schweiz
Liste der Berge in der Schweiz]]
Seen
Die Schweiz hat aufgrund ihrer topographischen Struktur und vor allem aufgrund der Vergletscherung während der Eiszeiten viele Seen. Ein Grossteil sind kleinere Bergseen.
Der grösste See der Schweiz ist der Genfersee (580.03 km²) an der französischen Grenze. Er liegt zu knapp 60 % auf Schweizer Boden. Der an Deutschland und Österreich grenzende Bodensee ist mit 536.00 km² etwas kleiner (23.73 % der Uferlänge auf Schweizer Boden).
Der Lago Maggiore an der italienischen Grenze (19,28 % auf Schweizer Territorium) bildet mit 193 m ü.M. den tiefsten Punkt der Schweiz.
Die grössten sich ausschliesslich in der Schweiz befindenden Seen sind der Neuenburgersee (215.20 km²), der Vierwaldstättersee (113.72 km²) und der Zürichsee (88.17 km²).
Siehe auch: Liste der Seen in der Schweiz
Flüsse
Liste der Seen in der Schweiz]]
Zwei der drei grössten Flüsse Europas, der Rhein und die Rhône, haben ihren Ursprung in der Schweiz. Beide entspringen im Gotthardmassiv. In der Schweiz befinden sich mehrere Wasserscheiden.
Der Rhein fliesst bei Reichenau im Kanton Graubünden aus Vorder- und Hinterrhein zusammen, wobei nur der Vorderrhein tatsächlich dem östlichen Gotthardmassiv entspringt. Der Hinterrhein entspringt im weiter südlich gelegenen Rheinwald, in der Nähe des San Bernhardino-Passes an der Grenze zum Tessin. Der Rhein fliesst von Reichenau in nördlicher Richtung durch das Rheintal und bildet die Grenze zum Fürstentum Liechtenstein und dem Österreichischen Bundesland Vorarlberg bis in den Bodensee. Bei Konstanz, verlässt er den Bodensee in westlicher Richtung und bildet zu einem grossen Teil die Grenze zu Deutschland (Der grösste Teil des Kantones Schaffhausen und ein Teil des Halbkantons Basel-Stadt befindet sich nördlich des Rheins). Kurz nach Schaffhausen (Neuhausen) befindet sich der grösste Wasserfall Mitteleuropas, der Rheinfall (siehe Bild). Im weiteren Verlauf durchquert er die Stadt Basel und verlässt die Schweiz daraufhin in Richtung Norden bis er schliesslich in die Nordsee mündet.
Die Rhône entspringt auf der westlichen Seite des Gotthardmassivs (Rhônegletscher) und fliesst durch den gesamten Kanton Wallis in den Genfersee. Am westlichen Seeende fliesst die Rhône durch die Stadt Genf, verlässt kurz darauf die Schweiz und mündet ins Mittelmeer.
Mit Ausnahme der Engadiner und Tessiner Gewässer münden alle Gewässer der Schweiz in Rhein oder Rhône.
Der Inn entspringt südlich von St. Moritz (Maloja) im Engadin (Graubünden). Er fliesst durch Silser- und Silvaplanersee in Richtung Norden und verlässt die Schweiz bei Vinadi. Er passiert die bekannten Tiroler Städte Landeck und Innsbruck und mündet im bayerischen Passau in die Donau.
Der Namensgeber des Kantons Tessin, der Ticino, entspringt im südlichen Gotthardmassiv und fliesst durch die Nordhälfte des Kantons in den Lago Maggiore und verlässt damit die Schweiz. Er mündet schliesslich in den Po.
Innerhalb der Schweiz hat der Rhein mit 375 km den längsten Lauf, gefolgt vom Rhein-Zubringer Aare mit 295 km (die Aare entspringt wie die Rhône im westlichen Gotthardmassiv). Die Rhône hat eine Länge von 264 km innerhalb der Schweiz.
Im nördlichen Gotthardmassiv entspringt zusätzlich der aus der Schweizer Geschichte bekannte Fluss Reuss (Fluss), welcher in den Vierwaldstättersee, durch Luzern und schliesslich zusammen mit der aus Zürich kommenden Limmat in die Aare fliesst. Der wohl bekannteste Fluss des Jura ist der Le Doubs, der in Frankreich entspringt nach Norden fliesst und teils die schweiz/französische Grenze bildet, teils auf Schweizer Boden fliesst. Im Kanton Jura macht der Le Doubs einen Richtungswechsel und fliesst in südwestlicher Richtung in die Saône.
Siehe auch: Liste der Flüsse in der Schweiz
Klima
Liste der Flüsse in der Schweiz
Liste der Flüsse in der Schweiz
Liste der Flüsse in der Schweiz
Nördlich der Alpen herrscht gemässigtes mitteleuropäisches Klima, südlich der Alpen ist es eher mediterran.
Das Klima ist regional jedoch sehr unterschiedlich. Dies ist bedingt durch die Höhenlage wie auch durch die geografische Lage.
Während in der Innerschweiz, in den Alpen und im Tessin die durchschnittliche Regenmenge bei ungefähr 2000 mm/Jahr liegt, beträgt sie im Wallis (Rhônetal) nur 550 mm/Jahr; der trockenste Ort ist Ackersand mit 521 mm im Jahresmittel. Im Mittelland beträgt die Menge etwa 1000–1500 mm/Jahr.
Die Regenmenge ist im Sommer mit Ausnahme des Rhônetals ungefähr doppelt so hoch wie im Winter. So liegt das Monatsmittel in Zürich im Januar bei 73 mm und im Juni bei 131 mm. Das Monatsmittel für Juli in Sion im Rhônetal dagegen liegt bei 40 mm und im Januar bei 61 mm (jeweils Auswertungen der Jahre 1961–1990).
Die Temperaturen in der Schweiz sind primär abhängig von der Höhenlage. Generell liegt in den Niederungen die Durchschnittstemperatur im Januar bei rund -1 bis +1 °C. Im wärmsten Monat, dem Juli, liegt diese bei 16 bis 19 °C. Die Jahrestemperaturen betragen ungefähr 7 bis 9 °C. In der Magadinoebene im Tessin liegt der Durchschnittswert etwa 2 bis 3 °C höher. Im Oberengadin ist es rund 10 °C kälter. Der durchschnittlich wärmste Ort (mit einer MeteoSchweiz-Messstation) ist Locarno-Monti mit einem Jahresmittel von 11.5 °C, der kälteste auf dem Jungfraujoch mit -7.5 °C. Absolute Rekorde mass man in Grono mit 41.5 °C am 11. August 2003, beziehungsweise in La Brévine mit -41.8 °C (12. Januar 1987).
Während Hagel in den Alpen, in der Romandie wie auch im Tessin ein eher seltenes Ereignis ist, war deren Intensität in der Periode 1999–2002 vor allem im Emmental, im Laufental wie auch im Toggenburg am höchsten. Es hagelte dort bis zu 60 Minuten im Jahresdurchschnitt. In den anderen Regionen beschränkt sich Hagel auf unter 30 Minuten.
Nebel ist im ganzen Mittelland zu beobachten. Besonders häufig ist der Nebel entlang der Aare, der nördlichen Reuss wie auch im Thurgau, wo er vor allem im Herbst über mehrere Wochen auftreten kann. In den Tälern erscheint der Nebel seltener.
Häufig auftretende Winde in der Schweiz sind der milde Föhn und die kalte Bise. Die höchste je gemessene Windgeschwindigkeit ist 285 km/h (Jungfraujoch, 27. Februar 1990).
Bekannte Formen von Naturkatastrophen in der Schweiz sind Schnee- und Gerölllawinen sowie Überschwemmungen.
Flora und Fauna
30 Prozent der Landoberfläche der Schweiz sind bewaldet.
In den Alpen dominieren Nadelhölzer (Tannen, Fichten, Lärchen, Arven). Die Wälder in den Alpen haben wichtige Funktionen als Lawinen- (Bannwald) und Hochwasserschutz (der Wald fängt die Regenmenge auf und gibt sie nur langsam wieder ab).
Im Mittelland, im Jura und auf der Alpensüdseite unterhalb von 1000 Metern wachsen Laubmischwälder und Laubwälder.
Im Tessin gibt es als regionale Besonderheit ausgedehnte Kastanienwälder, die in früheren Zeiten eine Hauptrolle bei der Ernährung der Bevölkerung spielten.
Bevölkerung
Sprachen
Kastanienwälder
Der Artikel 4 der Bundesverfassung hält seit 1999 fest: «Die Landessprachen sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.». Im Artikel 701 heisst es zudem: «Die Amtssprachen des Bundes sind Deutsch, Französisch und Italienisch. Im Verkehr mit Personen rätoromanischer Sprache ist auch das Rätoromanische Amtssprache des Bundes.»
Im Kanton Zürich ist zusätzlich die Gebärdensprache verfassungsmässig anerkannt.
Wegen der oben zitierten Verfassungsbestimmung mit vier anerkannten Landessprachen, nehmen manche Leute irrtümlich an, Schweizer sprächen vier Sprachen, was jedoch nicht der Fall ist. Wirklich viersprachig ist einzig der Bundesstaat als Institution. Bereits auf Kantons- und Gemeindeebene ist es anders: In den meisten Fällen existiert nur eine Amtssprache. Wer aus einem anderssprachigen Landesteil zuzieht, hat kein Recht darauf, in seiner angestammten Sprache mit den neuen Kantons- und Gemeindebehörden zu verkehren.
Mit 63.7 % ist Deutsch (hellgrau) die meistverbreitete Sprache. Die Bevölkerung spricht aber gemeinläufig einen der vielen schweizerdeutschen Dialekte. Französisch wird von 20.4 % (blau) der Bevölkerung gesprochen. Dieser Teil des Landes wird häufig die Suisse romande oder Romandie genannt. Im Kanton Tessin und vier Südtälern des Kantons Graubünden wird Italienisch (rot, Anteil 6.5 %) gesprochen. Die vierte Landessprache, Rätoromanisch (grün), hat einen Anteil von 0.5 % und wird in Graubünden gesprochen, wobei praktisch alle Rätoromanischsprachigen daneben noch deutsch sprechen. Durch Zuwanderung bedingt sprechen mittlerweile 9 % der Einwohner andere Sprachen als die Landessprachen. Von diesen ist das Serbisch-Bosnisch-Kroatische mit 1.5 % am weitesten verbreitet.
Als Fremdsprachen beherrschen die meisten Schweizer eine zweite Landessprache und Englisch.
Siehe auch: Sprachen in der Schweiz, :Kategorie:Schweizer Sprache
Religionen
:Kategorie:Schweizer Sprache]
Von den Schweizer Bürgern sind 41 % katholisch, 40 % reformiert, 2.5 % in Freikirchen, 5.5 % gehören zu anderen Religionsgemeinschaften und 11 % sind ohne Religionszugehörigkeit. Von den Ausländern in der Schweiz sind 44 % römisch-katholisch, 5 % evangelisch-reformiert, 17 % orthodox, 18 % islamisch, und 2 % ohne Bekenntnis.
Es ist den Kantonen überlassen, ob sie ausgewählten Religionsgemeinschaften einen besonderen Status als Landeskirche verleihen wollen. In den meisten Kantonen haben die Römisch-Katholische Kirche und die Evangelisch-Reformierte Kirche, in einigen Kantonen zusätzlich die Christkatholische Kirche diesen Status inne. In einigen Westschweizer Kantonen gibt es keine Landeskirchen, weil dort Kirche und Staat vollständig getrennt sind.
Protestantisch dominiert sind der Kanton Bern, Teile von Graubünden und Schaffhausen, Zürich, Basel die meisten Westschweizer Kantone, insbesondere die Calvinstadt Genf. Die Römisch-Katholische Kirche dominiert in den Kantonen Freiburg, Jura, Wallis, Tessin, in den Kantonen der Zentralschweiz und in Teilen der Ostschweiz. Die Christkatholische Kirche ist nur in Teilen der Nordwestschweiz von Bedeutung. Mit 0.33 % ist der Buddhismus in der Schweiz stärker vertreten als in anderen Ländern Europas.
Siehe auch: Religionen in der Schweiz
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte der Schweiz.
Nach dem Untergang des Römischen Reiches besiedelten Burgunder und Alamannen das Gebiet der heutigen Schweiz. Bis 746 unterwarfen die Franken beide Völker, deren Territorium Teil des Fränkischen Reiches wurde. Bei der Teilung dieses Reiches kam das Gebiet der Schweiz zum Ostfrankenreich, dem späteren Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Ihr Gebiet gehörte dabei grösstenteils zum Stammesherzogtum Schwaben und zum Königreich Burgund. In der frühen deutschen Geschichte spielen Adelsgeschlechter aus der Schweiz wie die Habsburger, Zähringer, Kyburger, Lenzburger und Rudolfinger eine wichtige Rolle. Ausserdem waren die Alpenpässe für die deutsche Herrschaft über Italien von grösster Wichtigkeit. So lässt sich erklären, weshalb die deutschen Herrscher immer ein ganz besonderes Augenmerk auf die Talschaften in den Alpen legten. Die Bewohner der Talschaften der Innerschweiz sahen diese «Reichsunmittelbarkeit» als Privileg.
Burgund]
Die drei «Urkantone» oder «Waldstätte» (Orte) Uri, Schwyz und Unterwalden schlossen 1291 nach dem Tod des deutschen KönigsRudolf I. von Habsburg einen Bund zum Schutz ihrer «alten Freiheiten». Eine diesbezügliche Urkunde, der sogenannte Bundesbrief, ist datiert auf Anfang August 1291. Der Legende nach geschah die Beschwörung dieses Bundes auf dem Rütli. Ins breite Bewusstsein der Menschen drang diese Legende mit dem 1804 veröffentlichten Theaterstück «Wilhelm Tell» von Friedrich Schiller. Im 19. Jahrhundert wurde der 1. August 1291 als Datum für die Begründung der alten Eidgenossenschaft und damit als schweizerischer Nationalfeiertag festgelegt. Beim Bündnis von 1291 ging es jedoch weniger um den Schutz vor dem Haus Habsburg, als vielmehr darum, sich für die Unsicherheiten nach der Wahl eines neuen deutschen Königs abzusichern. Tatsächlich folgte ja auf Rudolf eine eher unsichere Zeit mit schnell wechselnden Herrschern.
Das schlechte Verhältnis zwischen den Eidgenossen und dem Herrscherhaus der Habsburger rührt von der deutschen Königswahl vom 25.11.1314 her, als der Wittelsbacher Ludwig der Bayer und der Habsburger Friedrich der Schöne gleichzeitig zum deutschen König gewählt wurden. Die Eidgenossen hielten zu Ludwig dem Bayer. Dies und ein Überfall auf das Kloster Einsiedeln bewog Leopold I. von Österreich 1315 zu einem Kriegszug gegen die Eidgenossen, der in der Schlacht am Morgarten unglücklich für ihn endete. Um ihre Selbständigkeit gegenüber Habsburg zu wahren, schlossen sich Luzern, Zürich, Glarus, Zug und Bern im 14. Jahrhundert dem Bund der Waldstätte an. Das resultierende Gebilde wurde als die Acht Alten Orte bezeichnet.
Es folgten weitere Auseinandersetzungen mit dem Haus Habsburg: 1386 bei Sempach und 1388 bei Näfels gelang es den Eidgenossen habsburgische Ritterheere zu schlagen. 1415 eroberten sie sogar die habsburgischen Stammlande im Aargau. Zwischen der Stadt Zürich und den übrigen Eidgenossen kam es wegen der Erbschaft der Grafen von Toggenburg zum Alten Zürichkrieg (1436–1450) in dessen Verlauf sich Zürich mit Habsburg verbündete. In der Schlacht bei St. Jakob an der Birs wurden die habsburgischen Hilfstruppen der Armagnaken zwar nicht geschlagen, sie zogen sich jedoch angesichts der hohen Verluste wieder zurück. Zürich war schliesslich zur Rückkehr in die Eidgenossenschaft gezwungen. Ein weiterer Krieg brachte Habsburg 1460 um den Thurgau, so dass sich Herzog Sigismund von Tirol am 11.6.1474 in der «Ewigen Richtung» gezwungen sah, die alte Eidgenossenschaft als eigenständiges Staatswesen anzuerkennen. 1474 zogen die Eidgenossen auf Wunsch Kaiser Friedrich III. gegen Karl den Kühnen von Burgund und vernichteten den mächtigen burgundischen Staat. Bern und Freiburg expandierten in dieser Zeit ins vormals savoyisch und burgundisch kontrollierte Waadtland, das sie bis 1536 ganz eroberten.
Der militärische Sieg über die Burgunder bestärkte die Eidgenossenschaft in ihrem Willen nach Selbständigkeit. Aus diesem Grund widersetzte sie sich der Reichsreform von Kaiser Maximilian I.. Der Versuch Maximilians, im sogenannten Schwabenkrieg die Eidgenossen gefügig zu machen, endete 1499 im Frieden zu Basel mit der faktischen Unabhängigkeit der Schweiz vom Heiligen Römischen Reich. Mit dem Beitritt von weiteren Kantonen erweiterte sich die Eidgenossenschaft bis 1513 auf Dreizehn Orte. Dazu kamen weitere Verbündete, die sogenannten zugewandten Orte.
zugewandten Orte
Die Expansion der Eidgenossenschaft in Richtung Oberitalien erfolgte zur Sicherung der Alpenpässe. Dadurch wurde die Eidgenossenschaft in die komplizierten italienischen Kriege zwischen Habsburg, Frankreich, Venedig, dem Papst, Spanien und den verschiedenen italienischen Potentaten verwickelt. Aus jener Zeit stammt auch die Schweizergarde, die der Papst Julius II. 1506 gründete. Bis 1513 gelang den Eidgenossen die Eroberung des heutigen Tessin und schliesslich sogar von Mailand, über welches sie die Schutzherrschaft ausübten. Nach einer Niederlage gegen Frankreich in der Schlacht bei Marignano 1515 endete die militärische Dominanz über Oberitalien. Der Mythos der Unbesiegbarkeit der Schweizer war widerlegt und es offenbarte sich die politische Zerstrittenheit der Orte untereinander. Dadurch wurde ab 1515 eine weitere wirksame Aussenpolitik verhindert und es begann die Phase des "Stillsitzens", was man später Neutralitätspolitik nannte. Die Dreizehn Orte schlossen 1521 ein Soldbündnis mit Frankreich ab und erhielten dafür Pensionen, Zoll- und Handelsvergünstigungen und politischen Beistand bei inneren und äusseren Konflikten. Die alte Eidgenossenschaft wurde damit faktisch ein französisches Protektorat.
Die von Ulrich Zwingli 1519 eingeleitete Reformation in Zürich breitete sich im Mittelland aus und führte zu grossen Spannungen zwischen den verschiedenen Kantonen. Nach den religiös begründeten Kappelerkriegen kam es 1531 im Zweiten Kappeler Landfrieden zum Kompromiss: Zürich, Bern, Basel, Schaffhausen und Teile von Graubünden blieben reformiert; die Urkantone, Luzern, Zug, Solothurn und Freiburg blieben katholisch. 1541 setzte Johannes Calvin in Genf die Reformation durch. Trotzdem kam es noch zweimal in den Villmergerkriegen von 1656 und 1712 zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Konfessionsgruppen unter den Orten.
Am 24. Oktober 1648 erreichte die Schweiz im Westfälischen Frieden die völkerrechtliche Anerkennung ihrer Souveränität und löste sich damit vom Heiligen Römischen Reich deutscher Nation.
Am 5. Mai 1798 wurde die Alte Eidgenossenschaft von Frankreich besetzt. Im Gebiet der Schweiz wurde daraufhin nach französischem Vorbild eine Helvetische Republik als Zentralstaat errichtet. Die bisherigen Unterschiede zwischen Untertanenlande und herrschenden Städten und Orten wurden aufgehoben. Fünf Jahre später, 1803, verordnete Napoléon Bonaparte in der Mediationsakte der Schweiz jedoch wieder eine Verfassung, welche zum Prinzip des Föderalismus und damit zu autonomen Kantonen zurückkehrte. Die ehemaligen Untertanengebiete und die zugewandten Orte wurden in die neuen Kantone St. Gallen, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin und die Waadt umgewandelt. Waadt
1815 wurde die «immer währende Neutralität der Schweiz» durch die europäischen Grossmächte am Wiener Kongress anerkannt. Eine neue Verfassung, der «Bundesvertrag», stärkte in der so genannten Restauration die Eigenständigkeit der Kantone, so das die Schweiz wieder zu einem Staatenbund wurde.
Streitigkeiten zwischen den liberal-progressiven und den konservativ-katholischen Kantonen führten 1847 zum Sonderbundskrieg. Nach der Niederlage der konservativ-katholischen Kantone wurde die Schweiz in den modernen Bundesstaat umgewandelt und die Autonomie der Kantone durch eine neue Bundesverfassung (1848) eingeschränkt. Bern wurde der Sitz der Bundesbehörden und des Parlaments. Die Bundesverfassung wurde nur zweimal 1874 und 1999 revidiert.
Auf Initiative von Henri Dunant erfolgt 1864 in Genf die Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Während der beiden Weltkriege bewahrte die Schweiz offiziell ihre Neutralität, die allgemeine Mobilmachung wurde jedoch angeordnet. Die Schweiz nahm im Zweiten Weltkrieg einerseits Flüchtlinge auf, wies aber zeitweise gezielt Juden an den Grenzen ab. Die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg wurde in den 1990er-Jahren im Bergier-Berichtes kritisch aufgearbeitet. Unrühmliche Kapitel der neueren Zeit sind einerseits die Verfolgung der Jenischen zwischen 1926 und 1972 durch das «Hilfswerk» Kinder der Landstrasse und anderseits die sechsstellige Zahl an Verdingkindern, welche zwischen 1800 bis in die 1960er und 1970er-Jahren zu Zwangsarbeit auf Bauernhöfen eingesetzt wurden und häufig misshandelt worden sind.
Die Volksrechte wurden seit 1848 immer stärker ausgebaut. 1919 wurde das Proporzwahlverfahren für den Nationalrat eingeführt. 1971 wurde in einer Volksabstimmung das Frauenstimmrecht nach jahrzehntelangen Kampf angenommen. Der von der Regierung angestrebte Beitritt zum EWR scheiterte 1992. Die Schweiz trat nach einer positv ausgegangenen Volksabstimmung am 10. September 2002 den Vereinten Nationen (UNO) bei.
Politik
Hauptartikel: Politisches System der Schweiz
Politisches System
Die Schweiz, die weder ethnisch noch sprachlich noch religiös eine Einheit bildet, ist ein Bundesstaat. Sie unterscheidet sich von anderen Staaten durch
- die direkte Demokratie: Das Volk kann über Initiativen und Referenden direkten Einfluss auf die Regierungstätigkeit nehmen. In zwei Kantonen, Appenzell Innerrhoden und Glarus, gibt es noch eine Urform der schweizerischen Basisdemokratie: die Landsgemeinde.
- den ausgeprägten Föderalismus: Die Kantone sind neben dem Volk der Verfassungsgeber des Bundes und behalten alle Aufgaben, die in der Bundesverfassung nicht explizit dem Bund zugeordnet werden. Ausserdem starke Beteiligung der Kantone in allen Phasen der politischen Willensbildung (Vernehmlassung, Ständerat, Ständemehr)
- die Konkordanzdemokratie
- ihre selbstdeklarierte Neutralität
Gewaltenteilung
Wie in allen anderen Demokratien ist die Staatsgewalt, gestützt auf die Schweizerische Bundesverfassung, in drei Säulen gegliedert:
- Die Legislative (Bundesversammlung) besteht aus zwei Kammern, dem Nationalrat mit 200 Mitgliedern als Vertreter des Volks sowie dem Ständerat mit 46 Mitgliedern als Vertreter der Kantone. Das schweizerische Parlament ist ein sogenanntes Milizparlament: Die National- und Ständeräte üben ihr Mandat (wenigstens nominell) nebenberuflich aus.
- Die Exekutive ist der Bundesrat mit der Verwaltung. Er besteht aus sieben gleichberechtigten Mitgliedern (Kollegialitätsprinzip), den so genannten «Bundesräten» (Ministern), die je einem Departement der Bundesverwaltung vorstehen. Die Bundesräte werden vom Parlament gewählt. Für jeweils ein Jahr wird ein Mitglied des Bundesrates von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt. Er leitet die Sitzungen des Bundesrates und nimmt repräsentative Aufgaben im In- und Ausland wahr, hat aber keine Vorrechte gegenüber dem Restbundesrat.
- Die Judikative besteht aus dem Schweizerischen Bundesgericht mit Sitz in Lausanne, dem Eidgenössischen Versicherungsgericht mit Sitz in Luzern, dem Bundesstrafgericht in Bellinzona und dem Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen. Gewählt werden die Bundesrichter, welche meistens einer Partei angehören, von der Bundesversammlung. Das System der Bundesgerichte befindet sich gegenwärtig im Umbau, insbesondere wurden die beiden letztgenannten erstinstanzlichen Gerichte neu geschaffen. Das Strafgericht hat die Arbeit 2004 aufgenommen; das Verwaltungsgericht wird dies voraussichtlich 2007 tun. Ein besonderer Verfassungsgerichtshof wie in anderen Ländern existiert in der Schweiz nicht, doch können alle Gerichte eine (beschränkte) Verfassungsgerichtsbarkeit ausüben.
Siehe auch: Liste der Bundespräsidenten der Schweiz, Liste der Mitglieder des Schweizerischen Bundesrates
Parteien
Parteien mit Vertreter im Bundesrat («Bundesratsparteien») sind:
- die Schweizerische Volkspartei (SVP; Stimmenanteil 2003: 26.6%),
- die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP; Stimmenanteil 2003: 23.3%),
- die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP; Stimmenanteil 2003: 17.3%) sowie
- die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP; Stimmenanteil 2003: 14.4%).
SP, FDP und SVP haben je zwei Sitze, die CVP hat einen. Diese Verteilung ist neu seit Dezember 2003, davor galt die sogenannte Zauberformel.
Von den übrigen Parteien hat die Grüne Partei der Schweiz den grössten Stimmenanteil (2003: 7.4%).
Siehe auch: Politische Parteien in der Schweiz
Internationale Organisationen
Politische Parteien in der Schweiz
Die Schweiz ist Mitglied in vielen internationalen Organisationen. Als eines der letzten Länder trat die Schweiz 2002 der UNO bei, ist aber zugleich das erste Land, dessen Volk über den Beitritt abstimmen durfte. Daneben ist die Schweiz in der OSZE, dem Europarat wie auch in der EFTA tätig. Die Schweiz nimmt an der Partnerschaft für den Frieden der NATO teil und ratifizierte das Kyoto-Protokoll.
Die Schweiz ist weder Mitglied der Europäischen Union (EU) noch des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR); jedoch bestehen wichtige bilaterale Verträge zwischen der Schweiz und der EU. Ein Beitritt zur NATO stünde im Konflikt zur Neutralität der Schweiz.
Siehe auch: Die Schweiz in den Vereinten Nationen
Politische Strukturen
Kantone
Die Schweiz in den Vereinten Nationen
Die Schweiz besteht aus 26 Kantonen (vor der Totalrevision der Bundesverfassung von 1999: 23 Kantone, wovon drei in je zwei Halbkantone gegliedert waren). Die Schweiz weist im europäischen Vergleich einen sehr ausgeprägten Föderalismus auf, der die politische und wirtschaftliche Kleinräumigkeit und Fragmentiertheit der Schweiz verstärkt.
Enklaven und Exklaven
Büsingen am Hochrhein wie auch Campione d'Italia sind Enklaven in der Schweiz:
- Die deutsche Gemeinde Büsingen ist nördlich des Rheins vom Kanton Schaffhausen umgeben, südlich davon grenzt sie an die Kantone Zürich und Thurgau.
- Das italienische Campione, bekannt für sein Spielcasino, ist am Luganersee innerhalb des Kantons Tessin.
Weitere Enklaven und Exklaven gehören eher in das Kuriositätenkabinett, so liegt das Suworow-Denkmal in der Schöllenenschlucht in russischem Hoheitsgebiet. Deren Fläche beträgt 563 m². Die Schweiz selbst hat innerhalb Liechtensteins eine Exklave. Beide Gebiete sind allerdings nur einige Quadratmeter gross.
Regionen
Schöllenenschlucht
Neben den geologischen und den geografischen Regionen definierte das Bundesamt für Statistik für die Schweiz sieben Grossregionen.
Diese sind die Ostschweiz, Zürich, die Zentralschweiz, die Nordwestschweiz, die Espace Mittelland, die Région Lémanique wie auch der Ticino.
In der Umgangssprache wird die Zentralschweiz häufig Innerschweiz genannt. Die Region zwischen Bern und Zürich wird auch als Mittelland bezeichnet und der französischsprachige Teil der Schweiz wird als Romandie, Welschschweiz oder Westschweiz bezeichnet.
Siehe auch: Grossregionen der Schweiz
Städte
Die grösste Schweizer Stadt ist Zürich mit rund 366'000 Einwohnern (Stand 2004). Die Agglomeration umfasst 1'080'000 Einwohner. Weitere Grossstädte mit über 100'000 Einwohnern sind Genf, Basel, die Bundesstadt Bern sowie Lausanne. Die Bevölkerungsdichte ist im flachen Mittelland sehr hoch, im Alpenland und im Jura naturgemäss dünn.
Siehe auch: Liste der Städte und Gemeinden der Schweiz.
Landesverteidigung
Hauptartikel: Schweizer Armee
Die Schweizer Armee ist die bewaffnete Streitmacht der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Sie besteht aus den Teilstreitkräften Heer und Luftwaffe. Da die Schweiz ein Binnenland ist, verfügt die Armee über keine Marine. Auf den grenzüberschreitenden Seen sind militärische Schnellboote im Einsatz (Motorbootkompanie). Das jährliche Budget beträgt rund 4.6 Milliarden Franken (2004).
Der Auftrag der Armee ist in der Bundesverfassung festgelegt.
- Raumsicherung und Verteidigung zur Behauptung des Schweizer Territorium
- Subsidiäre Einsätze zur Existenzsicherung bei Naturkatastrophen oder Grossanlässen
- Friedensförderung, beispielsweise als unbewaffnete Militärbeobachter für die UNO
Die Besonderheit der schweizerischen Streitkräfte ist ihr Milizsystem. Es gibt insgesamt nur etwa 5% Berufs- und Zeitsoldaten. Alle übrigen Angehörigen der Armee sind Wehrpflichtige im Alter zwischen 20 und 34 Jahren, in speziellen Fällen bis 50 Jahren.
Militärdienstpflichtig sind alle männlichen Schweizer Bürger. Sie werden in der Regel im Alter von 19 Jahren per Marschbefehl zur militärischen Aushebung aufgeboten. Bei den Frauen geschieht dies auf freiwilliger Basis.
Die meisten bestehen die Aushebung, d. h. sind diensttauglich. Die Dienstuntauglichen müssen – von den Behinderten abgesehen – eine jährliche Militärpflichtersatzsteuer zahlen. Die meisten leisten dann Zivilschutz. Wer aus Gewissensgründen keinen Militärdienst leisten will, hat die Möglichkeit, einen Zivildienst (meist eine Form von Sozialarbeit) zu absolvieren. Zur Abschreckung wurde die Dauer des Zivildienstes auf das 1.5-fache des Militärdienstes angesetzt. Eine Dienstverweigerung ist in der Schweiz im Prinzip möglich, jedoch nur mit grossem Aufwand durchzusetzen. Im Verlaufe eines Jahres werden ca. 20'000 junge Schweizer und Schweizerinnen in Rekrutenschulen von 21 Wochen Dauer ausgebildet.
Mit der Reform Armee XXI, angenommen 2003, wird die Mannschaftsstärke von den 400'000 der Armee 95 auf ca. 200'000 Angehörige reduziert. Davon sind 120'000 in aktive Verbände und 80'000 in Reserve-Einheiten eingeteilt.
Weltweit einzigartig ist die Abgabe der persönlichen Waffe an den Wehrmann; Angehörige der Armee bewahren ihre Waffe mit Munition zu Hause auf. So entstand die Redewendung «Die Schweiz hat keine Armee, die Schweiz ist eine Armee».
Insgesamt fanden drei Generalmobilmachungen (GMob; auch Kriegsmobilmachung; KMob) zum Schutze der Integrität und der Neutralität der Schweiz statt. Die erste GMob fand anlässlich des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 statt. Als Reaktion auf den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und um einen deutschen oder französischen Durchmarsch durch die Schweiz zu verhindern, wurde auf den 3. August 1914 die erneute GMob der Armee beschlossen. Die dritte GMob der Armee fand am 1. September 1939 als Reaktion auf den deutschen Überfall auf Polen statt. Henri Guisan wurde zum General gewählt und entwickelte sich in den Kriegsjahren zur Hauptintegrationsfigur der von den Achsenmächten eingeschlossenen Eidgenossenschaft.
Die Schweizer Armee war im Zweiten Weltkrieg in Luftkämpfe mit der deutschen Luftwaffe verwickelt. Terrestrisch wurde sie auf eigenem Territorium noch nie mit offenen Angriffen feindlicher Kräfte konfrontiert. Nachweislich wurden aber auch B-29 Bomber der USA abgefangen, die sich über österreichischem Territorium glaubten. Trotz mehrmaligen Anfunkens durch die Schweizer Jagdflieger antworteten die Bomberbesatzungen befehlsgemäss nicht und wurden abgeschossen. Auch wurde Schaffhausen irrtümlich von der USAF bombardiert und ein weiterer Bomber der USAF, der seinen Verband verloren hatte, entledigte sich seiner explosiven Ladung über Basel.
Da sich die militärische Bedrohungslage im heutigen Europa für die Schweiz geändert hat, wird die Armee immer wieder in Frage gestellt. Besonders die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) setzt sich seit Jahren erfolglos für eine Abschaffung ein. Zwei Abstimmungen zur Abschaffung der Armee wurden vom Volk bisher jedoch deutlich verworfen. Auch die Frage, ob friedenserhaltende Armee-Einsätze im Ausland mit der Neutralität vereinbar sind, ist umstritten.
Sozialversicherungen
Hauptartikel: Schweizer Sozialpolitik
In der Schweiz existieren mehrere Sozialversicherungen. Diese sind meistens Zwangsversicherungen, das heisst, für die Bewohner besteht eine Versicherungspflicht. Die wichtigsten Sozialversicherungen sind:
- die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), die staatliche Rentenversicherung.
- die Krankenversicherung.
- die Mutterschaftsversicherung.
- die Unfallversicherung.
- die Invalidenversicherung (IV), für Personen, die aufgrund von Behinderungen nicht mehr vollständig erwerbstätig sein können oder Ergänzungsleistungen benötigen.
Daneben ist für Erwerbstätige eine berufliche Vorsorge, die Pensionskasse, obligatorisch. Diese wird privatwirtschaftlich geregelt und ist Sache des Arbeitgebers.
Freiwillig ist dagegen die Private Vorsorge in Form von zum Beispiel Lebensversicherungen. Diese werden steuerlich gefördert.
Die staatliche Rentenversicherung, die berufliche Vorsorge wie auch die private Vorsorge werden zusammen als Drei-Säulen-System bezeichnet.
Daneben gibt es die Erwerbsersatzordnung, so dass Militärdienstpflichtige während der Ausübung militärischer Pflichten ein Taggeld bekommen. Obligatorisch ist auch die Arbeitslosenversicherung.
Siehe auch: Sozialversicherung (Schweiz)
Gesundheitswesen
Hauptartikel: Gesundheitswesen Schweiz
In der Schweiz ist jeder Einwohner unabhängig von seiner Nationalität aufgrund des Krankenversicherungsgesetzes verpflichtet, sich bei einer schweizerischen Krankenkasse seiner Wahl für die Behandlungskosten bei Krankheit zu versiche | | |